Website als Beweis sichern: Anleitung zum Selbermachen
Website als Beweis sichern: Screenshots, vollständige Offline-Kopie, SHA-256-Hashes, Save Page Now und Beweisprotokoll in einem Ablauf erklärt.
Website Downloader 10 Min. Lesezeit
Wenn Sie eine Website als Beweis sichern wollen, kombinieren Sie mehrere Methoden. Keine davon reicht allein aus. Machen Sie Screenshots, auf denen URL und Uhrzeit zu sehen sind. Speichern Sie eine vollständige Offline-Kopie der relevanten Seiten. Berechnen Sie einen SHA-256-Hashwert dieser Kopie, damit Sie später zeigen können, dass sie nicht verändert wurde. Lassen Sie die Seite zusätzlich von einem unabhängigen Dritten wie der Wayback Machine erfassen. Halten Sie jeden Schritt in einem Beweisprotokoll fest. Diese Anleitung zeigt, wie Sie jeden Schritt selbst erledigen und wann eine einzelne Seite genügt. Sie erfahren auch, wann Sie die ganze Website brauchen und was keine dieser Methoden erfassen kann.
Dieser Artikel erklärt allgemeine Grundsätze und ist keine Rechtsberatung. Die Regeln zum Beweisrecht unterscheiden sich von Land zu Land und je nach Art des Verfahrens. Wenn viel auf dem Spiel steht, sprechen Sie mit einer Anwältin oder einem Anwalt, bevor Sie sich auf eine selbst erstellte Sicherung verlassen.
Reicht ein Screenshot als Beweis?
Manchmal wird ein Screenshot akzeptiert, vor allem in kleineren Streitigkeiten, in denen die Gegenseite ihn nicht bestreitet. Trotzdem ist er die schwächste Form eines Web-Beweises, weil er sich leicht angreifen lässt. Die Gegenseite oder ein skeptisches Gericht stellt meist vier Fragen:
- Datum: Wann wurde die Aufnahme gemacht? Die Uhr in der Ecke eines Screenshots lässt sich verstellen, und Dateidaten ändern sich beim Kopieren.
- Quelle: Stammt die Aufnahme wirklich von der angegebenen URL? Ein zugeschnittenes Bild verbirgt oft die Adressleiste.
- Vollständigkeit: Was stand darüber, darunter oder hinter einem Link? Ein Screenshot zeigt nur einen Bildschirmausschnitt. AGB, Fußnoten und verlinkte Seiten, die den Zusammenhang herstellen, fehlen.
- Manipulation: Jeder kann ein Bild bearbeiten oder Text mit den Entwicklertools des Browsers ändern, bevor er den Screenshot macht.
In Deutschland gilt im Zivilprozess der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (§ 286 ZPO). Ähnlich ist es in Österreich und der Schweiz. Das Gericht bewertet also selbst, wie überzeugend ein Ausdruck oder eine Datei ist, und es gibt keine feste Checkliste. In den USA fallen solche Fragen dagegen unter Authentifizierungsregeln wie die Federal Rule of Evidence 901. Praktisch läuft es überall auf dieselbe Frage hinaus: Können Sie überzeugend zeigen, dass Ihre Vorlage genau das zeigt, was die Website zu diesem Zeitpunkt angezeigt hat? Mehrere unabhängige Methoden beantworten diese Frage deutlich besser als ein einzelnes Bild.
Website als Beweis sichern: drei Methoden im Vergleich
| Methode | Was sie gut belegt | Größte Schwäche |
|---|---|---|
| Screenshot oder Bildschirmaufnahme | Genau das, was Besucher gesehen haben, einschließlich Layout, Pop-ups und Adressleiste des Browsers | Leicht zu bearbeiten, nur ein Ausschnitt, keine zugrunde liegenden Dateien |
| Vollständige Offline-Kopie (HTML, Bilder, CSS als ZIP) | Die tatsächlichen Seitendateien und die verlinkten Unterseiten, die sich durchblättern und durchsuchen lassen | Selbst erstellt, daher brauchen Datum und Unverändertheit einen Hashwert und ein Protokoll |
| Aufnahme in der Wayback Machine | Eine Aufzeichnung durch einen unabhängigen Dritten mit eigenem Zeitstempel | Kann unvollständig sein, kann auf Wunsch des Seitenbetreibers später entfernt werden und ist öffentlich |
Die Methoden schließen gegenseitig ihre Lücken. Der Screenshot zeigt, was Besucher gesehen haben. Die Offline-Kopie bewahrt den vollständigen Text und den Zusammenhang. Die Aufnahme eines Dritten ist eine unabhängige Aufzeichnung, die nicht von Ihnen stammt.
Eine Seite oder die ganze Website?
Viele Streitigkeiten hängen am Zusammenhang, nicht an einem einzelnen Satz. Fragen Sie sich, was die Gegenseite als fehlend bemängeln könnte. Typische Fälle:
- Preisangaben oder Werbeaussagen: die Produktseite sowie die verlinkten AGB, Versand- und Widerrufsseiten und alle Fußnotenseiten, auf die sich der Preis bezieht.
- Vertragsbedingungen: die AGB in der Fassung eines bestimmten Datums sowie die Bestellseite, die darauf verlinkt hat.
- Kopierte Inhalte oder Urheberrechtsverletzungen: jede Seite, die Ihre Texte oder Bilder verwendet. Diese Seiten verteilen sich oft auf Blog, Shop und Kategorieseiten.
- Betreiber ermitteln: Impressum, Über-uns-Seite, Datenschutzerklärung und Kontaktseite, die zeigen, wer die Website betreibt.
- Ehrverletzende oder irreführende Aussagen: der Artikel samt Kommentaren, Autorenseite und verwandten Beiträgen, sofern sie ohne Login laden.
Sichern Sie im Zweifel mehr, als Sie zu brauchen glauben. Eine Seite, die Sie nicht gespeichert haben, kann nächste Woche verschwunden sein. Für eine einzelne, für sich stehende Aussage reicht die Sicherung einer Seite. Sobald Ihre Argumentation davon abhängt, wie Seiten miteinander verlinkt sind, sichern Sie den betreffenden Bereich oder gleich die ganze Website. Wie das geht, zeigt die Anleitung Komplette Website mit allen Unterseiten herunterladen.
Schritt für Schritt: Beweise von einer Website selbst sichern
1. Vorbereiten
Verwenden Sie ein frisches Browserprofil oder ein privates Fenster. So landen Ihre eigenen Logins, Cookies und personalisierten Inhalte nicht in der Sicherung. Prüfen Sie, ob die Uhrzeit Ihres Computers automatisch eingestellt wird. Legen Sie einen Ordner für den Fall an und lassen Sie die Originaldateien darin ab jetzt unverändert.
2. Screenshots und Bildschirmaufnahme
Machen Sie von jeder wichtigen Seite einen Screenshot der ganzen Seite, auf dem die Adressleiste zu sehen ist. Noch besser ist eine kurze Bildschirmaufnahme: Öffnen Sie die URL, scrollen Sie langsam durch die Seite, klicken Sie sich zu den verlinkten AGB durch und zeigen Sie die Systemuhr. Ein Video ist schwerer zu fälschen als ein einzelnes Bild, und es zeigt, wie die Seiten zusammenhängen.
3. Eine vollständige Offline-Kopie als ZIP
Geben Sie die Startadresse auf der Startseite von Website Downloader ein. Der Dienst lädt die Unterseiten mit ihren Bildern, Stylesheets, Skripten und Schriften herunter und liefert eine ZIP-Datei, die sich in jedem Browser öffnen lässt. Er läuft im Browser, Sie müssen also nichts installieren, und Sie können den Fortschritt live verfolgen. Der kostenlose Tarif umfasst bis zu 100 Unterseiten. Das reicht oft für einen Shop-Bereich oder die rechtlichen Seiten einer Website. Für größere Websites finden Sie die Tarife auf der Preisseite. Laden Sie die ZIP-Datei sofort auf Ihren eigenen Speicher herunter, denn kostenlose Archive bleiben nur einen Tag auf dem Server.
4. Jede Datei mit SHA-256 hashen
Ein SHA-256-Hashwert ist ein Fingerabdruck einer Datei. Ändert sich auch nur ein Byte, ändert sich der Fingerabdruck vollständig. Wenn Sie den Hashwert jetzt festhalten, können Sie später zeigen, dass ZIP, Screenshots und Video dieselben Dateien sind, die Sie am Tag der Sicherung erstellt haben. Führen Sie den Befehl für Ihr System auf jede Datei aus:
- Windows:
certutil -hashfile beweis.zip SHA256oder in der PowerShellGet-FileHash beweis.zip -Algorithm SHA256 - macOS:
shasum -a 256 beweis.zip - Linux:
sha256sum beweis.zip
Ein Hashwert allein beweist nicht, wann Sie die Datei erstellt haben. Um das Datum festzuschreiben, schicken Sie die Liste der Hashwerte noch am selben Tag an eine unabhängige Person, zum Beispiel per E-Mail an Ihre Anwältin oder Ihren Anwalt. Sie können auch einen vertrauenswürdigen Zeitstempeldienst nutzen. In der EU haben qualifizierte elektronische Zeitstempel nach der eIDAS-Verordnung eine besondere rechtliche Stellung.
5. Eine Aufnahme durch Dritte mit Save Page Now
Reichen Sie jede wichtige URL über das Formular Save Page Now des Internet Archive auf web.archive.org ein. Notieren Sie die zurückgegebene Archiv-URL, die den Zeitstempel enthält, und machen Sie einen Screenshot des Ergebnisses. Diese Aufzeichnung existiert unabhängig von Ihnen. Bedenken Sie aber, dass sie öffentlich ist und der Seitenbetreiber später verlangen kann, dass Aufnahmen ausgeschlossen werden. Deshalb bleibt Ihre eigene Kopie wichtig. archive.today ist ein ähnlicher unabhängiger Dienst, den Sie als zweite Quelle nutzen können.
6. Ein Beweisprotokoll führen
Eine einfache Tabelle oder Textdatei genügt. Halten Sie für jede Sicherung fest:
- die URL und was die Seite zeigt
- Datum, Uhrzeit und Zeitzone
- wer die Sicherung erstellt hat, auf welchem Gerät, mit welchem Browser und welchem Werkzeug
- den Dateinamen und seinen SHA-256-Hashwert
- die Archiv-URL von Wayback Machine oder archive.today
- Einschränkungen, etwa Kommentarbereich erfordert Login, nicht gesichert
- Zeugen, die bei der Sicherung zugesehen haben
Kopieren Sie anschließend den ganzen Fallordner an einen zweiten Ort und arbeiten Sie nur noch mit den Kopien.
Was keine Methode erfasst
Seien Sie sich über die Grenzen im Klaren, denn die Gegenseite wird darauf hinweisen:
- Seiten hinter einem Login, darunter die meisten Social-Media-Feeds, Kundenkonten und Mitgliederbereiche. Weder Website Downloader noch die Wayback Machine haben darauf Zugriff.
- Inhalte, die vollständig per JavaScript aufgebaut werden. Bei manchen Single-Page-Apps mit React, Vue oder Angular enthält die Offline-Kopie nur das Seitengerüst, aber nicht den Text.
- Serverfunktionen wie Suche, Formulare, Warenkörbe und Live-Kommentare. Sie funktionieren in keiner Offline-Kopie.
- Websites, die automatisierte Downloads blockieren. Manche antworten mit einem 403-Fehler. Website Downloader meldet das, statt ein leeres Archiv zu erzeugen.
In diesen Fällen greifen Sie auf Bildschirmaufnahme und ganzseitige Screenshots zurück. Hashen Sie diese Dateien und tragen Sie die Einschränkung ins Protokoll ein. Bei Social-Media-Beiträgen notieren Sie zusätzlich den Account-Namen, die direkte URL des Beitrags und eine sichtbare Beitrags-ID. Handelt es sich um Ihr eigenes Konto, kann der Datenexport der Plattform eine weitere Aufzeichnung liefern. Sind Beiträge zentral für einen Fall, kann sich eine notarielle Tatsachenbescheinigung oder ein professioneller Sicherungsdienst lohnen.
Was tun, wenn die Seite schon gelöscht ist?
Prüfen Sie zuerst die Wayback Machine. Suchen Sie nach der URL und gehen Sie im Kalender der Aufnahmen zum entscheidenden Datum. Die Adresse jeder Aufnahme enthält einen Zeitstempel. Bewahren Sie eine Liste dieser Archiv-URLs zusammen mit Screenshots auf, auf denen die Symbolleiste des Archivs und das Datum zu sehen sind. Das Internet Archive bietet ein Verfahren an, mit dem Sie eine eidesstattliche Erklärung (Affidavit) zu seinen Aufnahmen anfordern können. Prüfen Sie die aktuellen Bedingungen, wenn Sie eine benötigen. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Gelöschte Website wiederherstellen mit der Wayback Machine.
Wenn Sie eine durchblätterbare Kopie einer verschwundenen Website brauchen, baut der Wayback Machine Downloader sie aus einer Aufnahme wieder auf. Wiederherstellungen bis 100 Seiten sind kostenlos, größere Websites kosten einmalig 14,99 EUR. Bei der Wiederherstellung werden die Wiedergabe-Symbolleiste und die Links zurück zu archive.org entfernt. Zum Lesen ist das ideal, als Beweis fehlt dadurch aber der sichtbare Hinweis auf die Quelle. Hashen Sie deshalb die wiederhergestellte ZIP-Datei und bewahren Sie die ursprünglichen Archiv-URLs und Screenshots der Symbolleiste daneben auf. Die Anleitung Website aus der Wayback Machine wiederherstellen führt Sie durch den Ablauf.
Rechtliche und datenschutzrechtliche Hinweise
Eine Seite zur Beweissicherung zu speichern, wird in der Regel ganz anders bewertet als sie erneut zu veröffentlichen. Grundsätzliches dazu finden Sie im Artikel Ist es legal, eine Website herunterzuladen?. Ein Archiv einer fremden Website kann allerdings personenbezogene Daten enthalten: Namen, Fotos, Kundenbewertungen, Kommentare. Nach der DSGVO lässt sich die Speicherung solcher Daten zur Geltendmachung oder Verteidigung von Rechtsansprüchen meist rechtfertigen, sie sollte aber verhältnismäßig sein. Sichern Sie nur, was der Fall erfordert, und speichern Sie es sicher. Beschränken Sie den Zugriff und löschen Sie die Daten, sobald die Angelegenheit abgeschlossen ist. Veröffentlichen Sie das Archiv nicht und geben Sie es nur an die am Fall Beteiligten weiter.
Ziehen Sie früh anwaltliche Hilfe hinzu, wenn es um einen erheblichen Anspruch geht, Fristen laufen oder die Inhalte bald verschwinden könnten. Viele Rechtsordnungen kennen förmliche Wege der Beweissicherung. In Deutschland sind das etwa die notarielle Tatsachenbescheinigung oder das selbständige Beweisverfahren mit einem gerichtlich bestellten Sachverständigen, in dringenden Fällen auch Eilverfahren. Sie haben mehr Gewicht als jede selbst erstellte Sicherung. Ihre eigene sorgfältige Sicherung bleibt trotzdem wertvoll, als schneller erster Schritt und als Material für Ihre Anwältin oder Ihren Anwalt.
FAQ
Wird die Wayback Machine als Beweis anerkannt?
Gerichte in mehreren Ländern haben Aufnahmen der Wayback Machine anerkannt, oft gestützt durch eine eidesstattliche Erklärung oder durch Zeugenaussagen darüber, wie das Archiv funktioniert. Sie haben sie aber auch zurückgewiesen, wenn die Aufnahme unvollständig oder ihre Herkunft umstritten war. Betrachten Sie eine Aufnahme als starkes ergänzendes Beweismittel, nicht als Garantie, und kombinieren Sie sie mit Ihrer eigenen gehashten Kopie.
Kann die Gegenseite meine Kopie bestreiten?
Ja, und sie wird es vermutlich versuchen. Der mehrschichtige Ansatz ist Ihre Antwort darauf. Bildschirmaufnahme, gehashte Offline-Kopie, eine am selben Tag an Dritte geschickte Hashliste, eine unabhängige Archivaufnahme und ein ausführliches Protokoll lassen sich zusammen viel schwerer anzweifeln als jedes Element für sich.
Wie lange und wo sollte ich die gesicherte Kopie aufbewahren?
Bewahren Sie sie mindestens so lange auf, bis die Angelegenheit vollständig erledigt ist, einschließlich möglicher Rechtsmittel und der maßgeblichen Verjährungsfristen. Fragen Sie Ihre Anwältin oder Ihren Anwalt, wie lange das in Ihrem Fall ist. Speichern Sie mindestens zwei identische Kopien, zum Beispiel auf einem verschlüsselten Laufwerk und in einem verschlüsselten Cloud-Speicher, und prüfen Sie die Hashwerte von Zeit zu Zeit erneut.
Wie beweise ich das Datum einer Sicherung?
Ihre eigenen Dateidaten sind ein schwacher Beleg, weil sie sich leicht ändern lassen. Stärker sind eine unabhängige Aufnahme mit eigenem Zeitstempel, eine per E-Mail an Ihre Anwältin oder Ihren Anwalt geschickte Hashliste, ein qualifizierter oder vertrauenswürdiger Zeitstempel oder eine notarielle Dokumentation der Seite. Wenn Sie mehrere davon kombinieren, lässt sich das Datum viel schwerer angreifen.
- Website als Beweis sichern
- Beweissicherung
- Website archivieren
- Wayback Machine
- Offline-Kopie